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Bürgerbücher

Als sich im Mittelalter das deutsche Stadtrecht herausbildete und die pommerschen Städte größtenteils mit Lübecker und Magdeburger Stadtrecht bewidmet wurden, stellten die Städte einen geschlossenen Rechtsraum dar - im Gegensatz zum flachen Land, wo das Landrecht galt. In diesen Städten wurde damals zwischen Bürgern, die im Besitz des Bürgerrechtes waren, und normalen Einwohnern unterschieden.

Mit dem Bürgerrecht waren gewisse Rechte und Pflichten verbunden: Zu den Pflichten gehörte u.a. die Verteidigung der Stadt im Kriegsfall. Die Rechte waren z.B. das Recht Grund- und Hausbesitz zu erwerben oder sich in der Stadt, z.B. als Handwerksmeister, selbständig zu machen. Wenn ein Einwohner das Bürgerrecht einer Stadt erwerben wollte, mußte er seine ,,ehrliche`` Geburt nachweisen, einen Eid auf Rat der Stadt und Landesherren schwören und ein Bürgergeld bezahlen.

Um nun die Leute festzuhalten, die zu diesem Rechtsraum gehörten, wurden die Bürgerbücher angelegt. In den Bürgerbüchern findet man meist nicht nur den Namen und das Datum der Bürgerwerdung. Da das Bürgergeld mit dem Stand1.2 des Neubürgers variierte, sind häufig auch Angaben über den Beruf und Stand im Bürgerbuch vorhanden.

In der ersten Zeit mußten teilweise die Söhne der Bürger selbst nicht das Bürgerrecht erwerben, sondern erbten es quasi von ihren Vätern. In späteren Jahren, als sie auch Bürgergeld zahlen mußten, war aber die Höhe des Bürgergeldes geringer als bei den Auswärtigen. Deshalb findet man in manchen Bürgerbüchern Klassifizierungen wie ,,Originarius`` oder ,,Extraneus``, aus denen man erkennen kann, ob der Neubürger in der Stadt oder außerhalb geboren wurde.

Auch für pommersche Städte gab und gibt es natürlich zahlreiche Bürgerbücher. Nur einige davon sind schon publiziert, z.B. Bahn, Belgard, Bergen, Cammin, Greifenhagen, Kolberg, Lauenburg, Rügenwalde, Stettin, Stolp, Stralsund, Swinemünde, Treptow/Rega, Usedom und Wolgast - teilweise nur für wenige Jahre. Andere Bürgerbücher lagern noch in den Archiven, z.B. im Landesarchiv Greifswald sind Bürgerbücher von Altdamm, Treptow/Tollense, Belgard, Cammin, Gollnow, Grimmen, Gützkow, Lauenburg, Neuwarp, Plathe, Stolp, Tribsees, Wolgast und vielleicht noch mehr. In den Stadtarchiven von Stralsund und Greifswald werden Bürgerbücher der jeweiligen Städte aufbewahrt. Auch in den Staatsarchiven in Hinterpommern lagern noch pommersche Bürgerbücher.

Die Bürgerbücher reichen i.a. nur bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, seltener bis ins 20. Jahrhundert hinein - mit den Preußischen Städteordnungen war der Status eines Bürgers überflüssig geworden.


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© 1998 by Gunthard Stübs