next up previous contents
Next: Landesarchiv Greifswald Up: Landes- und Staatsarchive Previous: Landes- und Staatsarchive

Preußisches Staatsarchiv Stettin bis 1945

Vor dem 2. Weltkrieg war das preußische Staatsarchiv in Stettin als pommersches Provinzialarchiv das mit Abstand größte und bedeutendste Archiv in Pommern. Das Archiv bewahrte einige Tausend Urkunden und ca. 7.000 lfm. Handschriften und Akten vom Mittelalter bis 1944 auf. Um das Archivgut vor den alliierten Bombenangriffen auf Stettin zu schützen, wurden die Archivbestände ab 1942 aufs Land ausgelagert. Es wurden dabei Schlösser und Gutshäuser in Vor- und Hinterpommern bevorzugt; Teile der wertvollsten Bestände wurden später auch in das Salzbergwerk Grasleben (bei Lüneburg) gebracht.

Nach dem Ende des Krieges wurden die nach Vorpommern ausgelagerten Archivalien nach Greifswald verbracht, die in Hinterpommern lagernden dagegen zurück in das fast unzerstörte Gebäude des Staatsarchives in Stettin. Die Stettiner Bestände in Grasleben wurden zwischenzeitlich in der Kaiserpfalz Goslar gelagert und 1947 von der britischen Militärverwaltung an die polnische Archivverwaltung abgegeben und nach Stettin gebracht. Leider kam es in den Auslagerungsorten zu nicht unerheblichen Verlusten - es sind Akten sowohl so stark beschädigt (z.B. durch Nässe oder Schimmel) worden, daß sie nicht mehr benutzbar waren, als auch komplett abhanden gekommen. Den Schätzungen nach sind ca. 1.500 lfm. der ehemaligen Bestände des Staatsarchives Stettin verloren gegangen - mithin fast 20% des Gesamtbestandes.

Das Archivgut aus dem ehemaligen preußischen Staatsarchiv Stettin, das den Krieg und die Zeit danach überstanden hat, befindet sich heute zum überwiegenden Teil in drei pommerschen Landes- bzw. Staatsarchiven - im Landesarchiv Greifswald und in den polnischen Staatsarchiven in Stettin und Köslin sowie den jeweiligen Außenstellen. In sehr beschränktem Umfang befinden sich Stettiner Archivalien auch im Geheimen Staatsarchiv PK, Berlin.

Bei der Auslagerung der Archivalien ergab es sich, daß die Bestände willkürlich auf die Auslagerungsorte verteilt und damit auch zahlreiche Bestände geteilt wurden. Daher fand dann Anfang der 1960er Jahre zwischen dem Landesarchiv Greifswald und dem Staatsarchiv Stettin ein Archivalienaustausch statt, bei dem die Archivalien nach dem Provenienzprinzip verteilt werden sollten. Es wurden dabei aber nur relativ wenige Bestände zusammengeführt bzw. ausgetauscht und teilweise auch nicht komplett.


next up previous contents
Next: Landesarchiv Greifswald Up: Landes- und Staatsarchive Previous: Landes- und Staatsarchive
© 1998 by Gunthard Stübs