next up previous contents
Next: Notariatsakten (Ulrich Lauer) Up: Gerichtsakten (Ulrich Lauer) Previous: Gerichtsakten (Ulrich Lauer)

Grundbücher (Ulrich Lauer)

Bevor zwischen 1900 bis 1905 in Pommern, wie im übrigen Deutschen Reich, die Grundbücher eingeführt wurden, waren Grundstücksrechte in sogenannten Hypothekenbüchern oder ähnlichen Registern eingetragen. Die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) führte zur Anlegung der Grundbücher, die bei den Amtsgerichten geführt wurden, so daß solche Akten heute in den Staatsarchiven unter den Beständen der Amtsgerichte (Rep. 77) gefunden werden können.

Verwandschaftsverhältnisse sind im Grundbuch nur von solchen Personen festgehalten, die in irgendeiner Form Grundbesitz oder Nutzungsrechte an Grundstücken besaßen und somit im Grundbuch namentlich eingetragen wurden. Die Grundbücher, wie sie auch in Pommern angelegt und bis 1945 geführt wurden, sind DIN A3 große, sehr dicke Bücher, die mit laufenden Nummern (römische oder arabische Zahlen) je Grundbuchbezirk (Gemarkung) versehen sind. Diese Bücher sind dann nochmals in Grundbuchblätter unterteilt. Ein Grundbuchblatt umfaßte mehrere Seiten, die in das Bestandsverzeichnis (in dem die Grundstücke beschrieben sind), sowie in die Abteilungen I (Eintragungen über den Eigentümer), Abt. II (Grunddienstbarkeiten, persönlich beschränkte Dienstbarkeiten wie z.B. Wohnungsrechte, Nießbrauch und Altenteilrechte) sowie Abt. III (Hypotheken, Grundschulden und Rentenrechte) gegliedert sind. Zu jedem Grundbuchblatt gab es eine Grundakte, in der die Schriftstücke (i.a. Notarurkunden) verwahrt wurden, die Grundlage einer Eintragung ins Grundbuch waren. Es gab dann noch eine Namenskartei, in der alle Eigentümer in Karteikarten alphabetisch aufgeführt wurden - mit Hinweis auf die Grundbuchstelle, in der diese Eigentümer verzeichnet sind. Außerdem wurde i.a. in Buchform ein Grundstücksverzeichnis, sortiert nach Flurnummern und Flurstücksnummern (Grundstücksnummer in der Katasterkarte) geführt, in dem ebenfalls auf die Grundbuchstelle verwiesen wird, in der das Grundstück zu finden ist.

Gelingt es dem Familienforscher eine Person im Grundbuch zu finden (z.B. als Eigentümer), so kann er bei Grundstücken, die über Generationen in Familienbesitz waren, im Grundbuch als früheren Eigentümer - die Eltern, evtl. auch Großeltern finden. Meistens wird auch der Beruf und der Wohnort der Eigentümer im Grundbuch eingetragen. Geburtsdaten, wie heute üblich, wurden früher sehr selten im Grundbuch eingetragen. Kann also ein entsprechender Eintrag über einen Eigentumswechsel im Grundbuch gefunden werden, sollte versucht werden, die zu dem Grundbuchblatt gehörende Grundakte ausfindig zu machen, um dort die Urkunde über den Eigentumswechsel zu finden. Hier handelt es sich um Kaufverträge (oft auch zwischen Eltern und Kindern), Übergabeverträge bzw. Überlassungsverträge, Testamente oder Erbscheine, die dann sehr oft auch die Verwandtschaftsbeziehungen und die Namen der abgefundenen Geschwister nennen.

Insbesondere bei der Übergabe von Höfen war es üblich, daß sich der zukünftige Altsitzer dinglich sein Altenteil sicherte. Eine solche Eintragung findet sich dann in der Abteilung II des Grundbuchblattes. Früher waren diese Altenteilsverträge sehr ausführlich und die monatlichen Leistungen bestanden oft nur in sehr kleinem Umfang in Geldleistungen, sondern vielmehr in Naturalien. Hier gibt sich dann die Möglichkeit, die Lebensverhältnisse der Vorfahren zu erkennen. Oft wurde auch im Grundbuch ein Wohnrecht für ledige Geschwister eingetragen.


next up previous contents
Next: Notariatsakten (Ulrich Lauer) Up: Gerichtsakten (Ulrich Lauer) Previous: Gerichtsakten (Ulrich Lauer)
© 1998 by Gunthard Stübs