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Geschichte der pomm. familienkundlichen Vereinigungen (Elmar Bruhn)

Der folgende Text ist Teil des Vortrages ,,Grundlagen pommerscher Familienkunde`` - gehalten von Elmar Bruhn auf dem Treffen der pommerschen Familienforscher beim Pommerntreffen 1996 in Greifswald - und wurde von Herrn Elmar Bruhn, Hamburg, zur Verfügung gestellt:
Anfang der 20er Jahre fanden sich in Stettin einige bewährte Genealogen zusammen, die der gemeinsamen Sache wegen einen pommerschen Verband gründen wollten, doch es blieb vorerst nur bei einer ,,Landesgruppe Pommern`` des ,,Roland - Verein zur Förderung der Stamm-, Wappen- und Siegelkunde e.V.``, mit Sitz in Dresden. Bald wurde der Name in ,,Pommersche Vereinigung für Stamm- und Wappenkunde`` abgeändert.

1926 traten die pommerschen Genealogen in Stettin zum ersten Mal mit einer größeren Ausstellung an die Öffentlichkeit. Durch diese Werbung erstarkte der Zweigverein, so daß man schon bald an Verselbständigung dachte und an einer großflächigen Erschließung pommerscher familiengeschichtlicher Quellen arbeitete. Ab Herbst 1933 konnte sogar eine eigene Vereinszeitschrift, die ,,Familiengeschichtlichen Mitteilungen``, herausgegeben werden. Hierbei leistete die ,,Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Alterkumskunde`` Hilfestellung. Ein Jahr später konnte die Vereinigung auf eigenen Füßen stehen und trennte sich vom ,,Roland``. Nun sollten leider nur noch knapp 10 Jahre praktischer Arbeit vor den engagierten Mitgliedern liegen. Es kam der Krieg!

Mit dem Ende des Krieges verloren die meisten pommerschen Familienforscher nicht nur ihren Besitz und ihre Heimat, sondern oft genug auch die Früchte ihre geistigen Arbeit, die in den umfangreichen familienkundlichen Sammlungen steckte, die zurückgelassen werden mußten.

In den ersten Nachkriegsjahren hatte noch jeder mit sich selbst zu tun, es ging um den alltäglichen Überlebenskampf. Doch bereits 1950 fanden sich die ersten der früheren Mitglieder der ,,Pommerschen Vereinigung für Stamm- und Wappenkunde`` wieder zu einem Gedankenaustausch zusammen. Nun galt es, als Hauptaufgabe, alles pommersche familienkundliche Material, was den Krieg überstanden hatte und weitverstreut war, zu sammeln und zu sichern.

Es wurde die ,,Arbeitsgemeinschaft pommerscher Genealogen`` gegründet. Hans Hartkopf, als treibende Kraft, gelang es bald darauf, nämlich 1955, wieder ein Mitteilungsblatt herauszugeben, das zuerst den sehr langen Namen ,,SEDINA-ARCHIV - Hinweise zur Namensforschung und ihrer Grenzgebiete, Familienkundliche Beiträge`` trug. Dr. Herbert Spruth hatte im Verein ,,Der Herold`` in Berlin auch einen Kreis pommerscher Genealogen um sich geschart.

Aus diesem Grundstock wurde nun die ,,Pommersche Vereinigung für Stamm- und Wappenkunde`` neu belebt. Es war allerdings kein Verein im eigentlichen Sinne, es gab keine Trägerschaft, keine Vereinsbeiträge und auch keine Verwaltungskosten, sondern es war nur eine lose Gemeinschaft, zusammengehalten durch das Mitteilungsblatt ,,SEDINA-ARCHIV``, das ab 1. Januar 1957 nun auch wieder den alten Namen führte, den einst der Gründer dieser Vereinigung, nämlich Sanitätsrat Dr. Martin Bethe 1923, gegeben hatte: ,,Familiengeschichtliche Mitteilungen der Pommerschen Vereinigung für Stamm- und Wappenkunde``. Als Untertitel allerdings weiterhin ,,SEDINA-ARCHIV``. Unter diesem Namen war die kleine Schrift bekannt geworden und hatte zeitweilig bis zu 600 Bezieher, die durch die Bezugsgebühr ein Weiterleben garantierten. Namhafte pommersche Familiengeschichtsforscher arbeiteten nun wieder für die gemeinsame Sache.

Hans Hartkopf, einer der führenden Genealogen der 50er Jahre starb im August 1959. Es war ein herber Verlust und ein großer Rückschlag für uns Pommern, zumal der Verbleib seiner großen Sammlung von pommerschem familiengeschichtlichem Material immer noch ungeklärt ist und eine große Lücke darstellt.

Die Leitung übernahm nun Dr. Herbert Spruth, der immerhin 13 Jahre lang, der Mittelpunkt der pommerschen Familiengeschichtsforschung war. Als er im Juli 1972 - mit 72 Jahren viel zu jung - starb, hinterließ er, neben vielen genealogischen Arbeiten, sein Hauptwerk: die ,,Landes- und Familiengeschichtliche Bibliographie für Pommern``, die in den Jahren 1962-65 im Degener Verlag erschienen war. Auf 866 Seiten, versehen mit drei Arbeitsregistern, ist diese Arbeit heute, nach fast 30 Jahren, immer noch das wichtigste Quellen- und Schlüsselwerk für den pommerschen Familienforscher.

Danach übernahm Dr. Max Bruhn die Schriftleitung des ,,SEDINA-ARCHIV``s. Er gab dem Blatt 1979 ein neues Gesicht. Er entschloß sich, die Zeitschrift nur noch ,,SEDINA-ARCHIV`` zu nennen und dann im Untertitel den Hinweis ,,Familiengeschichtliche Mitteilungen Pommerns`` zu geben.

Fast 15 Jahre arbeitete er als Schriftleiter des ,,SEDINA-ARCHIVs`` und als Bearbeiter der Pommerschen Geschlechterbücher des C.A. Starke Verlages. Genau wie seine Vorgänger Hartkopf und Spruth war Dr. Max Bruhn auch genealogischer Kurator der ,,Gesellschaft für Pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst e.V.`` und hatte auch noch als ,,Erbhof`` die äußerst arbeitsintensive Stelle als Leiter der Forschungsstelle Pommern in der ,,Arbeitsgemeinschaft Ostdeutscher Familienforscher`` übernommen. In dieser Forschungsstelle werden Fragen aus aller Welt beantwortet. Oft wird nach Quellen gefragt, wie z.B. dem Verbleib von Kirchenbüchern, Standesamtsunterlagen, Innungsakten, Musterungsrollen usf.

Bis auf die Betreuung der Geschlechterbücher habe ich nach dem Tod von Dr. Max Bruhn (Febr. 1987) alle diese Aufgaben übernommen. Seit 1985 gebe ich das ,,SEDINA-ARCHIV`` heraus, seit 1987 auch als Schriftleiter. Der Abonnentenstamm liegt ständig bei ca. 150. Der Preis ist seit 14 Jahren nicht erhöht worden. So konnte ich bislang ein bekanntes Organ - manchmal allerdings unter Mühen, da ich noch voll berufstätig bin - am Leben erhalten.

Leider muß man jedoch auch anmerken, daß das Nichtvorhandensein eines zentralen Vereins für die pommersche Familiengeschichtsforschung immer wieder dazu führt, daß es sehr viele Einzelkämpfer gibt.


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© 1998 by Gunthard Stübs